Das Trainingsprogramm

Ein Messer ist auf Körperdistanz genau so gefährlich wie eine Schusswaffe. Die Angriffstechniken sind unberechenbar. Da Schnitte oder Stiche blitzschnell in eine andere Richtung ausgeführt werden können. Für eine Messertechnik braucht der Angreifer keine Kraft, da die scharfe bzw. spitze Klinge ihr übriges tut. Jeder ernst zu nehmende Trainer wird zur Flucht raten, wenn die Möglichkeit besteht!

Für die reale Selbstverteidigung gegen Messerangriffe muss ein breiteres Spektrum an Techniken studiert werden als allgemein üblich. So sollte unbedingt die Handhabung und der Umgang mit einer solchen Waffe selbst erst mal erlernt werden. Das Erlernen verschiedenster Messertechniken bildet die Grundlage für die reale Selbstverteidigung.

 

Keine starren Techniken

Oft sieht man Trainierende 3 Meter auseinander stehen, einer holt aus, macht einen Schritt nach vorn und sticht zu... Das ist jedoch nicht die Realität! Unnütze Hebel haben ebenfalls wenig Sinn. Der 1. Deutsche Messer-Fachverband schult den Kampf und die Selbstverteidigung in der Nahdistanz mit dem richtigen Körpereinsatz. Übungen mit einem halben Meter Abstand sind keine Seltenheit. Das Training erfolgt in flüssigen Bewegungen. Beide Partner können sich freibewegen, so dass sich ständig neue Situationen ergeben und im Fortgeschrittenen-Bereich der sportliche Messerkampf durchaus zum Trainingsprogramm gehört. Wichtig ist, dass der angreifende Trainingspartner auch versucht sich gegen die Konter zu wehren, erst dann kann man wirklich von einer realen Selbstverteidigung reden.

Gummimesser oder blanke Klinge?

Ein in vielen Dojos oft gemachter Fehler, ist das Trainieren mit einem Gummimesser. Nicht nur, dass man sich als Verteidiger eine falsche Sicherheit unbewusst antrainiert, viele Techniken wie z.B. Entwaffnungen lassen sich mit einem Gummimesser aufgrund der Flexibilität nicht trainieren. Beim 1. Deutschen Messer-Fachverband unter der Leitung von Großmeister Wolfgang Schnur wird generell mit echten Klingen trainiert. Auch wenn diese stumpf geschliffen sein können, so vermitteln sie ein viel realeres Trainingsgefühl als Gummi oder Holz. Viele Techniken werden bei den Fortgeschritten auch mit der scharfen Klinge geübt.

Entwaffnungen einer Blankwaffe

Oberstes Ziel ist es, die Waffe des Gegners unter Kontrolle zu bekommen. Dabei werden oft Entwaffnungstechniken eingesetzt, um die Blankwaffe dem Angreifer zu entwenden, sicher zu stellen oder unter Berücksichtigung des Notwehrrechts ggf. selbst damit zu kontern. Das Studium erfolgt auch immer wieder mit verschiedenen Waffenarten - vom kleinen Klappmesser bis zur schweren Gebrauchsmachete.

Einsatz körpereigener Garderobe

Auch wenn man siegreich aus einer Selbstverteidigungs-Situation heraus geht, so trägt man bei Messer-Angriffen fast immer unvermeidbare Verletzungen davon. Es ist keine Schande sondern eher äußerst sinnvoll, seine eigene Garderobe in die Selbstverteidigung mit einzubeziehen. So wird u.a. das Blocken mit Jacke, Schal, sowie knallharte Techniken mit dem Gürtel trainiert. Kaum zu glauben? Das Ziehen des Gürtels bis zum vollendeten Block oder Konter bedarf nur 1 bis 2 Sekunden! Ebenso wird der Umgang mit Alltagsgegenständen wie Regenschirm, Lenkradkralle oder Kugelschreiber gelehrt. Warum also mit bloßen Händen verteidigen?